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Flechthandwerk

Flechtkultur in Deutschland

Perfektion, für die es keine Maschinen gibt

Die uralte Technik des Flechtens erfordert Kraft und Fingerspitzengefühl zugleich. Ohne Maschinen, allein mit Fingerfertigkeit werden Materialien zu Unikaten geformt. Schon in der Frühzeit nutzten Menschen Fasern und Zweige um mit ihren Händen Gegenstände zu fertigen.

Durch die Handwerkszünfte verfeinerte das organisierte Handwerk die Techniken. Wissen wurde von den Meistern an die Lehrlinge weitergegeben. Bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts stellten die Korbmacher hauptsächlich Gegenstände für den täglichen Bedarf her.

Im Zuge der Industrialisierung entstanden Korbmacherzentren und Handelszentren für Korbwaren entwickelten sich. Geflochten wurden Gegenstände für den täglichen Bedarf mit den Materialien der Region. Spuren findet man davon heute noch, wenn zum Beispiel am Obermain Weiden verarbeitet werden, im Bayerischen Wald eher der Fichtenspan oder wenn wegen des Bedarfs an der See Strandkörbe produziert werden.

Mann flechtet einen Wäschekorb
Mann vollendet kleines Flechtwerk
Frau bei Flecht-Workshop

Flechtkultur in Deutschland ist heute von der Gestaltungskraft und dem Können der Flechterinnen und Flechter geprägt. Die Tradition wird von Museen in Deutschland bewahrt und an der Staatlichen Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung gelehrt. Organisierte Flechter in Innungen und Vereinen sowie begeisterte Laien leben das Handwerk und geben es in Kursen und Unterricht weiter.

Flechten fördert

Wertvolles schaffen in geschützten Werkstätten

Das Flechthandwerk wird in Deutschland in unterschiedlichen karitativen und freien Verbänden ausgeübt. In diesen Einrichtungen finden Menschen mit geistiger, körperlicher oder seelischer Behinderung einen geschützten Arbeitsplatz. Dieser ist bedarfsorientiert gestaltet und die Arbeit von der Unterteilung in überschaubare Einzelschritte geprägt. So entsteht in der Zusammenarbeit von Betreuern und Betreuten eine beachtliche Produktvielfalt. Das Angebot reicht von klassischen Stuhlflechtarbeiten, über Serienproduktionen, bis hin zu Puppenwagen, diversen Körben oder Eigenkreationen. Auch die Anfertigung individueller Arbeiten in Zusammenarbeit mit anderen Gewerken oder Designern gehört dazu.

Kind übt flechten
Jugendliche flechtet

Therapie und Pädagogik geschickt verflochten

Pädagogische und therapeutische Fachkräfte schätzen das Flechthandwerk besonders. Flechten fördert nicht nur die Koordination und motorische Fähigkeiten, es berührt auch stark den psychischen Bereich. So fördert der natürliche Widerstand des Materials die Willenskraft und das gleichmäßige Arbeiten sortiert und erdet die Gedanken. Das Wachsen und Entstehen des Flechtwerkes motiviert, konzentriert zu arbeiten und das fertiggestellte Produkt vermittelt ein gutes Gefühl des Erfolgserlebnisses. Dies bedeutet auch einen Mehrwert in der Arbeit von Pädagogen in Kindergärten und Schulen.

Die Historie

Verflechtung von Vergangenheit und Zukunft

Flechten zählt zu den ältesten handwerklichen Tätigkeiten der Menschheit überhaupt und ist auf der ganzen Welt verbreitet. So wurden beispielsweise in den Trockengebieten des Nahen Ostens 12000 Jahre alte konservierte Körbe gefunden. Auf Grund der natürlichen Beschaffenheit, gibt es keine älteren, für Ethnologen verwertbare Funde von Korbgeflechten. In der Literatur finden sich immer wieder Hinweise auf das Handwerk. So wird in der Bibel berichtet, wie Moses am Ufer des Nils in einem Binsenkörbchen gefunden wurde. Vermutlich ist das Flechthandwerk aber weitaus älter, als es wissenschaftlich beweisbar ist.

Sicher ist, dass auch unsere Vorfahren mit ihrer Hände Arbeit nützliche Dinge für den täglichen Bedarf, wie Schlafmatten, Zäune, Aufbewahrungs- und Transportkörbe geflochten haben. Über Generationen wurden unterschiedliche Flechttechniken und Eigenheiten überliefert, verfeinert und weiterentwickelt. War die Arbeit des Flechters früher stark davon geprägt Flechtwaren für den Alltagsgebrauch herzustellen wandelt sich die Arbeit heute mehr und mehr zur Herstellung von Dekorations- und Luxusgegenständen.

Hände flechten ein Muster
Flechtwerke im Museum Michelau

Museen in Deutschland

Mehrere Museen in Deutschland bewahren die Kultur des Flechtens. Die einen dokumentieren ausführlich die Geschichte des Flechtens, die anderen bewahren auch ausführlich die regionale Geschichte und die regionaltypischen Arbeiten. Alle leisten mit ihren Sammlungen und ihrer museumspädagogischen Arbeit ihren Beitrag das Flechthandwerk präsent zu halten.

Links zu den Museen: